Die 12 Jahre dauernde Nazidiktatur hatte mit der endgültigen Besetzung Eilenburgs durch amerikanische Truppen am 24. April 1945 ein Ende mit unsagbarem Leid und Elend gefunden.
Unsere Heimatstadt war ein rauchender Trümmerhaufen mit kaum passierbaren Stra-ßen. Millionenwerte, in Jahrzehnten, in Jahrhunderten geschaffen, in wenigen Tagen sinnlos vernichtet. Weit über 200 Zivilpersonen, Männer, Frauen und Kinder, gewalt-sam auf grauenhafte Weise getötet. Fürwahr ein furchtbares Erbe, was die Eilenburger Bürger übernehmen mussten.
Nur knapp 25 % der Wohnhäuser waren unbeschädigt geblieben und weit über 20 % der Wohnsubstanz war völlig zerstört und der größte Teil hatte schwere Schäden. Ganze Straßenzüge waren dem Erdboden gleich gemacht. Nicht anders sah es in der Industrie und Gewerbe aus. Obwohl der Totalverlust in der Industrie sich der in Grenzen hielt.
Die bangen Fragen; wie geht es weiter, was haben die Siegermächte ausgehandelt, konnten nur wenige beantworten.
Mit dem Einzug der sowjetischen Truppen am 5. Mai 1945 in Eilenburg Ost war die Mulde der Grenzfluss zwischen amerikanischen und sowjetischen Soldaten bis zum 1. Juli 1945 geworden.
Durch Befehle der Militäradministrationen wurde in der geteilten Stadt versucht, das Chaos in Bahnen zu lenken. Viele der zu Tausenden zählenden Obdachlosen brauch-ten ein Dach über den Kopf und es waren bei 8 000 Menschen. Alle Bequemlichkei-ten, die wir heute als Selbstverständlichkeit betrachten, angefangen von der Versor-gung, der Energie, dem Wasser usw. standen nicht mehr zur Verfügung. Als Kind hat man die Worte der Erwachsenen in dieser Zeit noch nicht deuten können: „Lieber Tag und Nacht arbeiten, als so etwas noch einmal zu erleben“.
Mit dem Abzug der Amerikaner verließen auch viele ehemalige aktive Mitglieder der NSDAP, aber auch Gewerbetreibende und Industrielle die Stadt, um sich in den west-lichen Besatzungszonen eine neue Existenz aufzubauen. Man hatte erkannt, dass die Gesellschaftssysteme der Siegermächte in den jeweiligen Besatzungszonen zum Tra-gen kommen würden.
Durch die Taktik der verbrannten Erde von Nazi Deutschland in der Sowjetunion war der Start in der sowjetischen Besatzungszone in keinem Verhältnis zu vergleichen mit denen in den drei westlichen Besatzungszonen. Dazu kam das eingehämmerte Feind-bild des Bolschewismus als Untermenschen. Faktoren, die sich gleichfalls negativ in einer Zeit des Selbstfindens und der Neuorientierung bemerkbar machten.
In Eilenburg Ost wurde der Kommunist Oswald Leune zur Bildung einer selbständi-gen Verwaltung durch die sowjetische Militäradministration und in der Stadt Eilen-burg der ehemalige Direktor der Bergschule, Friedrich Tschanter, durch den amerika-nischen Stadtkommanten als Bürgermeister eingesetzt. Bereits 2 Tage nach Amtsbeginn am 27. April 1945 wird Tschanter ins Krankenhaus eingewiesen, wo er am 14. Mai verstirbt. Sein Nachfolger wird Rechtsanwalt Max Müller.
Sowjetische Pioniereinheiten bauten am 21. Mai 1945 über die gesprengte Muldenbrü-cke eine Notbrücke und schafften damit die Voraussetzung, dass Elektriker der Deut-schen Celluloid-Fabrik die zerstörten Stromleitungen reparieren und das Eilenburger Krankenhaus von der DCF wieder mit Strom versorgt werden konnte.
In der DCF selbst hatten sich die ersten Arbeitskräfte eingefunden und mit den Auf-räumungsarbeiten begonnen. Das Kesselhaus sowie das Kraftwerk nahmen bereits Ende Mai ihre Arbeit auf. Hier wurde über die Besatzungsgrenze Mulde der erste Strom von Ost nach West geliefert.
Mit einer Belegschaft von rund 160 Personen aus dem Stadtteil Eilenburg Ost wurde Mitte Juni 45 mit den verbliebenen Rohstoffbeständen die Produktion wieder aufge-nommen.
Die sowjetische Militäradministration hatte dazu grünes Licht gegeben. Man muss dazu bemerken, dass die Festlegungen des Potsdamer Abkommens erst im August 1945 beschlossen wurden und die Umsetzungen sich zum Teil Monate hinzogen. Dadurch hatten Betriebe auch in Eilenburg schon Investitionen getätigt und produ-zierten, obwohl die Gesamtdemontage festgeschrieben, aber in der unteren Ebene noch nicht angekommen war.
In den letzten Kriegsjahren wurde für den Bevölkerungsbedarf in der DCF kaum noch produziert und es galt, die allernotwendigsten Bedarfsartikel bereitzustellen. So wurde auf der Basis von Polyvinylchlorid (Decelith) ein Ersatz für Fensterglas herge-stellt, um in den verbliebenen Wohnräumen die Fenster abzudichten. An Fensterglas war in den ersten Nachkriegsjahren nicht zu denken. Jeder mittlere Windzug brachte die durchsichtige Decelithscheiben in Bewegung und mit der Nachtruhe war es vor-bei.
Am 13. Juli 1945 wurde durch den Stadtkommandanten und den Bürgermeister Dr. Müller die alte Werkleitung der DCF abgelöst und eine kommissarische Betriebslei-tung mit Dr. Löblein und Dr. Haufe an der Spitze eingesetzt. Als politische Leiter fungierten Willi Becker, Friedrich Jung, Otto Wend, Max Hempel, Paul Ullrich und als Dolmetscher Reinhard Wolske. Dr. Löblein berichtete am 15. Oktober 45 vor der Stadtverwaltung, dass die Anlagen, die durch den Beschuss beträchtlichen Schaden erlitten hatten, zum Teil wieder ausgebessert sind.
Es wurde wieder Collodiumwolle für die Lackindustrie, für Kunstleder, für die Kleb-stoffindustrie, Filmgrundstoffe und für die eigene Celluloidabteilung produziert.
Schuhsohlen und Schuhfolien aus Decelith standen gleichfalls im Produktionssorti-ment. Da es Leder oder Gummi für die Schuhindustrie kaum gab, wurden aus der Not heraus Kunststoffschuhe aus PVC, als Igelithschuhe bekannt geworden, in Bitterfeld hergestellt. Der große Nachteil dieser Schuhe war die fehlende Atmungsaktivität und die daraus resultierenden Schweißfüße. Noch im September wurde zusätzlich die Fab-rikation von Colloxylin aufgenommen, das in alkoholfeuchter Form in der Filmfabrik Wolfen zur Herstellung von Filmcelluloid und in der Lackindustrie benötigt wurde. Diese Betriebe hatten Reparationen an die Sowjetunion zu liefern und waren auf die Eilenburger Produkte angewiesen.
Vom 17. Juli bis 2. August 1945 tagten die Siegermächte mit W. Churchill für Groß-britannien, J. W. Stalin für die UdSSR und H. S. Truman für die USA (ab 28. 7. Cat-tlee) in Potsdam (Potsdamer Abkommen). Frankreich stimmte am 7. 8. dem Abkom-men zu.
Auf ökonomischen Gebiet wurde die Zerschlagung der deutschen Wirtschaftskraft wie Syndikate, Trusts usw. festgelegt. Das deutsche Volk wurde verpflichtet, den über-fallenen Völkern für die Verluste und Leiden komplette Industrieausrüstungen und hier insbesondere durch Demontagen ganze Industriezweige zur Verfügung zu stellen. Des weiteren mussten aus der laufenden Produktion Reparationengüter geliefert wer-den. Dazu kam, dass die deutschen Gebiete östlich der Oder und westlichen Neiße wie Pommern, Schlesien, Ostpreußen, Danzig unter Verwaltung des polnischen Staa-tes zu stellen waren. Teile Ostpreußens mit der Stadt Königsberg wurden der UdSSR zugesprochen. Damit war ein wichtiges Wirtschaftspotenzial in einer Jahrhunderte zusammengewachsenen Kette weggebrochen.
Auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens begannen am 23. August 1945 die Demontagen in der DCF mit der kompletten Filmfabrik und des Schallplattenbetrie-bes.
Die entsprechenden Fachkräfte mussten zum Wiederaufbau der Anlagen und Einar-beitung mit in die Sowjetunion. Nach den Festlegungen der Siegermächte stand die DCF als Teilbetrieb des IG-Farben Konzerns auf der Liste der Gesamtdemontage.
Unter großen Einsatz des Betriebsrates unter Leitung von Otto Schmidt KPD, Hein-rich Bruchertseifert SPD und Dr. Löblein Betriebsleitung wurde bei der sowjetischen Militäradministration erreicht, dass nur eine Teilmontage erfolgte.
In den anderen Abteilungen wie im Celluloid- oder Decelithbetrieb erfolgt deshalb nur eine Teildemontage, um mit den verbleibenden Maschinen eine eigene Produktion aufzubauen.
Seit dem 3. Juli 1945 war Eilenburg Militärverwaltungsbezirk dem auch 40 Gemeinden angehörten. Sitz der Militärverwaltung war die heutige Karl-Neumann-Schule.
Man muss sich aber auch in diese Zeit der überstürzenden Ereignisse hineinversetzen. Aus allen Teilen der sowjetischen Besatzungszone rollten Züge mit Industrie-Ausrüstungen gen Osten. In der SU waren die Voraussetzungen zum schnellen Auf-bau der Anlagen nicht gegeben. So wurden mit Befehl Nr. 167 der SMAD am 5. 7. 1946 203 Beriebe in der sowjetischen Besatzungszone in das Eigentum der UdSSR übernommen.
Die Demontage wurde am 25. September 1945 abgeschlossen und aus der Deutschen Celluloid-Fabrik entstand 1946 ein SAG-Betrieb mit dem Namen Eilenburger Cellu-loid-Fabrik.
Die Verschlechterung des weltpolitischen Klimas und die damit verbundenen Handelsbeschränkungen waren wohl der Grund, dass durch die sowjetische Werkleitung der Betrieb im Juli 1946 die Auflage erhielt, eine Wasserstoffperoxidanlage aufzubauen. Bei gleitender Projektierung begann der Aufbau dieser Anlage im September 46 in ein bereits vorhandenes Gebäude und im Oktober 1948 ging diese Anlage in Betrieb. Bereits ein Jahr später ist die Erweiterung für die Produktion von Kaliumpersulfat abgeschlossen. Im Jahr 1950 kamen weitere Anlagen zur Herstellung von Wasserstoffperoxidderivaten als Sauerstoffträger in Wachmitteln dazu. Wasserstoffperoxid ist eine farblos und stark oxidierende Flüssigkeit, welche durch Elektrolyse von mittelkonzentrierter Schwefelsäure und Hydrolyse der entstehenden Peroxydischwefelsäurelösung entsteht. Die anorganischen Peroxide werden hauptsächlich in der Textil-, Zellstoff-, Holzschliff- und Papierbleiche, in der pharmazeutischen, kosmetischen und in der Halbleiterindustrie eingesetzt. Aber auch der Raketentreibstoff hat Bestandteile von Wasserstoff-peroxiden.
Kaliumpersulfat ist ein weißes, kristallines Pulver, dass zur Herstellung von synthetischen Kautschuk, ABS Kunststoffen, für chemische Synthesen und für Ätzlösungen zur Herstellung gedruckter Schaltungen benötigt wird.
Im Jahre 1950 lief in einem Neubau die Produktion von Perkasil einer Additionsverbindung von Wasserstoffperoxid an Natriumcarbonat/Natriumpyrophospat an. Dieses Produkt ist Sauerstoffträger für die Waschmittelherstellung und wurde in der Waschmittelindustrie in Genthin, Prettin usw. dringend benötigt. Für die Leitung dieses neuen Industriezweiges im ECW wurde 1949 Herr Rolf Kranke, der seit 1948 im Betrieb tätig war, eingesetzt. Im laufe der weiteren Fortsetzungsreihen wird über diesen Herrn noch zu berichten sein.
Pionierarbeit wurde im VEB Eilenburger Celluloid-Werk Ende der 40er Jahre bei der Entwicklung von mikroporösen Polyvinylchlorid Scheidern geleistet. Diese Separatoren wurden aus gesintertem PVC-Pulver auf Bandgießmaschinen erstmals in Eilenburg hergestellt und sind mit ihrem geringen elektrischen Widerstand, ihrem hohen Säureaufnahmevermögen, hervorragender Saugfähigkeit, geringer Dichte und hoher Porosität aus Starterbatterien nicht mehr wegzudenken. Decelith-Mikroscheider dienen in Akkumulatoren zur galvanischen Trennung der positiven und negativen Plat-ten.
Aus der Not heraus entwickelte der VEB ECW eine Fahrradbereifung auf der Basis des thermoplastischen Kunststoffes Decelith Weich. Diese Ersatzbereifung kam 1950 unter der Fachbezeichnung Krepp-Decelith-Fahrradbereifung auf dem Markt und war unter dem Namen Dr. Löbleins Gesundheitsreifen bekannt geworden. Der technische Mangel dieser Bereifung war so graphierend, dass die Produktion wieder eingestellt wurde. So sprang die Bereifung beim Fahren einer zu scharf genommenen Kurve, oder zu schneller Fahrt am Stadtberg von der Felge.
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Als trauriges Kapitel der Industriegeschichte unserer Stadt sind wohl die Nachkriegs-ereignisse im Eilenburger Propellerwerke Gustav Schwarz GmbH zu sehen.
In drei Betriebsteilen waren zu Kriegsende nach neuesten Forschungsergebnissen weit über 2500 Menschen beschäftigt und damit war Schwarz mit der größte Betrieb unse-rer Stadt. Alleine im Bergkeller waren über 1000 Personen davon 90 % Zwangsarbei-ter und Kriegsgefangene tätig. Auch in diesem Betrieb begannen im Mai 1945 die Aufräumungsarbeiten nachdem ein Herr Otto Bräse als Treuhänder eingesetzt worden war. Der Betrieb Gustav Schwarz GmbH in Treuhand, Torgauer Landstraße war an die Firma Franz Schlobach GmbH Böhlitz-Ehrenberg verpachtet worden. Die Firma Schlobach hatte bis zur Zwangsaussiedlung einen Betrieb in Deutsch-Eylau und wollte sich mit den ehemaligen Propellerwerk eine neue Existenz aufbauen. Ein Pachtvertrag mit dem Treuhänder erlaubte die Nutzung der Hallen 31 und 32 sowie das Küchengebäude mit Speiseraum. Letztgenanntes Gebäude wurde in den 50er Jahren als Ost-Kino genutzt und steht heute leer.
Im Sommerhalbjahr 1945 begannen die Bauarbeiten durch die Firmen Enigk und Vieweg am beschädigten Kesselhaus, dem Kohlebunker und dem Pressenkeller. Noch vor Wintereinbruch wurden die Bauarbeiten mit einem Wertumfang von 168 000,- Reichsmark (Rechnung vom 12.11.45) abgeschlossen. Produziert wurden wieder Sperrholzplatten der verschiedenen Stärken. Die in der Sperrholzfabrikation anfallen-den Reste wurden unter hohen Aufwand im Kesselhaus verbrannt. So kam die Idee, aus diesen Resten so dringend benötigte Bauplatten zu pressen. Im Jahr 1946 hatte die Stadtverwaltung den Betrieb aufgefordert, kurzfristig zu prüfen, ob man ein dringend benötigtes Sägewerk für den Wiederaufbau von Eilenburg in eine Halle einbauen kann. Im Ergebnis der Prüfung wurde die Halle 31 als geeignet angesehen. Zu einem Einbau ist es aber nicht gekommen. Nach Aussage von Herrn Wolfgang Stein, der mit seinen Eltern von 1947 bis 1950 im ehemaligen Verwaltungsgebäude der (heute Kin-dergarten Löwenzahn) Firma Schwarz gewohnt hat, wurde in mehreren Hallen bis 1947 wieder produziert. Der gesamte Betrieb wurde 1947 demontiert und auf den Schienenweg in die Sowjetunion transportiert. Herr Stein kann sich noch heute an die Großraumtransporte zum Ostbahnhof erinnern.
Das Beispiel dieses Betriebes zeigt, dass die sowjetische Militäradministration die ein-gesetzten deutschen Verwaltungen nicht über den Werdegang der Demontagen in-formiert hatte, denn sonst wären die eingesetzten Investitionen in den Jahren 1945/46 nicht geflossen.
Bis auf die Gebäude an der Torgauer Landstraße wurden alle Produktionsgebäude in den weiteren Jahren gesprengt.
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In den ehemaligen Produktionshallen der Fabrik der Gebrüder Zimmermann in der Wilhelmstraße 18 (heute Jacobsplatz) hatten sich im Juli 1945 Tischler eingefunden, die ehemals ihren Arbeitsplatz hier hatten. Holzbearbeitungsmaschinen waren teilwei-se noch im Betrieb vorhanden. Es musste ja weitergehen und eine Lebensmittelkarte erhielt man nicht nur, wenn man seine Enttrümmerungsstunden monatlich geleistet hatte, auch waren die Rationen für Menschen höher, die im Arbeitsprozess standen, als bei Sozialempfängern. Wie der Betrieb ins laufen kam, konnte nicht ermittelt wer-den. Im Oktober 1945 wurde der Betrieb unter der Bezeichnung „Volkseigener Be-trieb (Z), Möbelfabrik Eilenburg“ geführt.
Das „Z“ sagte aus, das es sich um einen zentral geleiteten Betrieb in der sowjetischen Besatzungszone handelte. Es war wohl der erste staatseigene Betrieb, sprich Volksei-gener Betrieb in unserer Stadt.
Die ersten Möbelstücke waren 1945 Küchentische. Im Jahr 1946 erhielt der Betrieb die staatliche Planauflage, Lebensmittelschaufeln in drei Größen herzustellen. Die Lebensmittelgeschäfte erhielten Zucker, Mehl und andere Schüttgüter in Säcken gelie-fert und jeder Kunde musste ein Behältnis mitbringen, in welches der Händler mittels einer Handschaufel das auf Lebensmittelkarten erhältliche Produkt füllte. Mit dieser Beauflagung beginnt die Planwirtschaft, dass heißt, der Betrieb durfte nur solche Pro-dukte produzieren die ihm vorgegeben wurden. Eine weitere Vorgabe für das Jahr 1946 waren Wäschetruhen. Hier hatte der Betrieb bei der vorgesetzten Dienststelle mitgeholfen, da keine Materialien benötigt wurden. Im Band 4 wurde auf die Reser-vetankbehälter für Kampfflugzeuge bereits eingegangen. In großen Stückzahlen lagen diese auf dem Lagerplatz. Ein ehemaliger Lehrling konnte sich noch gut an den unter Wärmeeinwirkung formbaren Werkstoff erinnern. Dieser Werkstoff unter der Be-zeichnung Cotonit oder Kotonit war in dieser Notzeit für die Möbelbranche ein will-kommener Rohstoff.
So erhielten die Wäschetruhen aus vorhandenen Beständen der Munitions- und Transportkisten den Rahmen und die Füllungen wurden mit dem Cotonit geschlossen. In der eigenen Lackiererei erfolgte die Farbgestaltung und ein Zulieferer gestaltet noch auf den Truhendeckel ein Ornament und ein sehenswertes Möbelstück aus Kriegsbe-ständen war entstanden. Der Betrieb war auf über 50 Beschäftigte angewachsen und weitere leerstehende Hallen wurden ausgebaut. Für die Rote Armee wurden seit 1948 Nachtschränke in Größenordnungen gebaut. Nach Befehl 234 der Sowjetischen Mili-täradministration wurden die Betriebe verpflichtet, verstärkt Lehrlinge auszubilden. Eine Lehrwerkstatt wurde 1948 mit 2 Lehrlingen eingerichtet. Im Jahr 1949 wurden bereits 8 Lehrlinge eingestellt. Das Problem waren aber die fehlenden Werkzeuge für die Lehrlinge und so mussten im Verwandten- und Bekanntenkreis die Werkzeuge beschafft werden.
Fehlendes Schuhwerk aus Leder oder Kunstleder war wohl der Auslöser, dass die Möbelfabrik Eilenburg verpflichtet wurde, für die Produktion von Holzpantoffeln die Hölzer größen- und stärkengerecht zuzuschneiden. Für diese Produktion erhielt der Betrieb Erlenstämme geliefert, aber ohne die erforderliche Schneidtechnik. Findige Köpfe bauten ein Horizontalgatter, um die Stämme erst einmal auf die entsprechend Stärke zu schneiden.
Es ist für uns heute wohl kaum nachvollziehbar, was diese Menschen geleistet haben, um aus dem Nichts eine Technik zuschaffen, die Grundlage für eine derartige Spezial-produktion war.
Der Verfasser dieser Zeilen hatte Anfang der 50er Jahre in der ECW als Lehrling be-gonnen. Zur ersten Arbeitsschutzbekleidung gehörten ein paar Holzpantoffeln, mit denen auch hohe Rüstungen bestiegen wurden.
War der Betrieb bis 1948 mit vielen notwendigen kleineren Produkten eingespannt, so mussten zur Linderung der Not an Gebrauchsmöbeln ab 1949 komplette weißla-ckierte Küchen gebaut werden. Der Betrieb war auf über 100 Beschäftigte gewachsen und hatte weitere Gebäude instandgesetzt. Mit der Aufnahme der Serienproduktion großer Bauteile wirkte sich die Zweigeschossigkeit der Hallen nachteilig auf den Pro-duktionsprozess aus. Ein kleiner Teil der Gebäude war noch von der Kattundruckerei Ehrenberg und Richter und der größere Teil von der Pianofabrik Zimmermann. Diese Betriebe hatten andere Anforderungen an die Räumlichkeiten gestellt, die mit einer Möbelserienproduktion nicht in Einklang gebracht werden konnte. Es gab zwar zwi-schen den einzelnen Produktionsgebäuden im Obergeschoss Übergänge, aber für die Endfertigung im Obergeschoss mussten die Treppenhäuser genutzt werden.
Ein weiterer Mangel war der hohe Feuchtigkeitsgrad des gelieferten Holzes. Da keine eigenen Trockenkammern vorhanden waren, kooperierte man mit der Qualitätsmö-belfabrik in Eilenburg Ost. Aber auch hier waren in der Trockenkapazität Grenzen gesetzt.
Im Jahr 1950 war der Betrieb auf 120 Beschäftigte gewachsen, nutzte aber mit dieser Belegschaftszahl die Gebäude nur zu 10%. Das hieß, dass die kleine Belegschaft das riesige Gelände mit noch etlichen ungenutzten Gebäuden kaum notdürftig instand-halten, geschweige denn nutzen konnte. Dadurch belasteten die toten Kosten mit einem nicht vertretbaren Maß das fertige Produkt. Das es dem Berieb aber trotzdem gelang, Gewinn einzufahren, war wohl auch dem großen Einsatzwillen von Betriebs-leiter Alwin Voigt zu danken.
Die Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Holz-Halle prüfte vom wirtschaftlichen Standpunkt 1950 den weiteren Werdegang am Standort Jacobsplatz und legte in deren Ergebnis die Angliederung an den VEB Eilenburger Qualitätsmöbelfabrik als Werk II fest.
Wie es vielfach bei derartigen Zusammenlegungen so spielt, schließt die Qualitätsmö-belfabrik aus wirtschaftlichen Gründen im Juni 1951 den Standort mit der Begrün-dung, dass auch der Hauptbetrieb in Eilenburg Ost von räumlichen wie personellen Gegebenheiten nicht voll ausgelastet ist. Gegenüber der VVB erklärte man, dass die im Hauptbetrieb produzierten furnierten Schlafzimmer und die neu hinzugekomme-nen weißlackierten Küchen sich nicht störend auswirkten.
Die am nördlichsten gelegenen Gebäude am Jacobsplatz wurden für den Bau eines Altenheimes umgebaut. An den staatliche Handel (HO) sowie an Handwerksbetriebe wurde ein Teil der Gebäude verpachtet.
Ein kleiner Handwerksbetrieb des Holzbildhauers Franke hatte die Gunst der Stunde genutzt und war in die Tischproduktion eingestiegen Mit rund 20 Beschäftigten wur-den Klubtische verschiedener Größen in einer ausgezeichneten Qualität in Serienpro-duktion ausgeliefert.
Die Stadt Eilenburg übernahm im Laufe der Verhandlungen mit der Qualitätsmöbel-fabrik den gesamten Komplex Jacobsplatz. Damit war das Werk II Geschichte.
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Die Notlage der Bevölkerung und die daraus resultierenden ungenügenden Arbeits-leistungen in der sowjetischen Besatzungszone sollte mit Befehl 234 vom 9. Oktober 1947 der sowjetischen Militäradministration entgegengewirkt werden. In diesem Be-fehl waren Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitsproduktivität und der damit ver-bundenen Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Angestellten festgelegt. So wurde die Arbeitszeit für Jugendliche bis 16 Jahren auf 42 Stunden und von 16 bis 18 Jahren auf 45 Stunden begrenzt. In führenden Industriezweigen war zur Verbesse-rung der Ernährung täglich eine zusätzliche warme Mahlzeit zu geben. Aber woher und so musste man in die Dörfer fahren und Industriegüter gegen Lebensmittel ein-tauschen.
Mitte Mai 1945 treffen sich 34 ehemals Beschäftigte der Möbelfabrik Fleischer mit dem neugewählten Betriebsrat Willi Lehmann auf dem Werkhof. Niemand hatte sie gerufen, es war eine Verständigung untereinander. Unter den Anwesenden war auch der Onkel des Verfassers dieser Artikelserie Herr Otto Friedrich. Der anschließende Rundgang durch das allen so bekannte Betriebsgelände lies die Menschen mutlos wer-den.
Brandruinen, beschädigte Gebäudemauern, glaslose Fensterhöhlen wo hin das Auge schaute.
Die Betriebsküche, Kantine, Sanitärräume, die Halle 0 und 1 und die Unterkünfte der italienischen Kriegsgefangenen waren völlig ausgebrannt. Das Dach des Kesselhauses war auf das Herzstück die Dampflokomobile gestürzt.
In der Halle wo einstmals der Modellbau untergebracht war, sah es noch am besten aus. So wurde in wenigen Arbeitstagen die Halle auf Vordermann gebracht und mit über 20 noch vorhandenen Hobelbänken die Produktion von Fenstern, Türen und Särgen ohne Strom und Dampf, nur mit Muskelkraft aufgenommen. Große Holzvor-räte lagen noch im Betriebsgelände. Am letzten Freitag des Monates Mai wurde bei einem Stundensatz von fünfundachtzig Pfennig erstmals nach Kriegsende Lohn ge-zahlt.
Herr Fleischer selbst hatte sich mit dem Einmarsch der Roten Armee am 5. Mai in Eilenburg Ost bei Nacht und Nebel über die scharf bewachte Demarkationslinie Mul-de bringen lassen. Wilhelm Bücker und Georg Dittmer hatten die Elektrokabel soweit geflickt, dass auf Stadtstrom umgeschaltet werden konnte. Doch die nur stundenweise anstehende Energie reichte nur für wenige Maschinen. Als im letzten Drittel des Mo-nats Juni die Lokomobile wieder angeheizt wurde, war die Freude im Betrieb trotz Hunger groß. Strom aus dem eigenen Generator ermöglichte es, einen großen Teil der Maschinen wieder voll einzuschalten.
Aber es fehlte auch an Kohlenachschub und der Wunsch der Belegschaft, mit der Dampfpfeife zur Arbeit zu rufen, musste bis auf den 23. Juni 45 abgelehnt werden. Drei Minuten ein lautes Pfeifen wurde bis in die umliegenden Dörfer gehört. Anfang Juli kamen mit Öffnung der Brücke auch die Stadtleute, sodass um den 10. Juli der Betrieb bereits 18o Belegschaftsmitglieder zählte.
Im August begannen die Arbeiten an der Werksküche und bereits Ende August 45 gab es erstmals wieder einen Teller Mittagessen. Es war wie ein Wunder in dieser Notzeit, Kohlsuppe und echte Kartoffelstückchen schwammen in dieser Suppe. Die Kantine war von den Trümmermassen befreit aber ohne Dach und als Sitzgelegenheit dienten auf Steinen aufgelegte Bretter.
Am 21. Juli 45 erscheint der Betriebsinhaber Herr Georg Fleischer erstmals wieder im Betrieb. Im Mai hatte Herr Fleischer in seiner alten Betriebsstätte Röbersstraße Ecke Kranoldstraße eine Tischlerei mit 30 Beschäftigten eröffnet und konnte hier ohne staatlichen Auflagen produzieren.
Ein Großauftrag in Eilenburg Ost zur Anfertigung von 2000 Schreibtischen brachte den Betrieb 1946 wieder auf seine eigentliche Bestimmung, die Serienfertigung von Möbel. So waren 1947 wieder 210 Menschen beschäftigt und die größten Schäden beseitigt.
Gegen Herrn Fleischer lief zu diesem Zeitpunkt ein Ermittlungsverfahren wegen Missachtung, Verhöhnung, körperlicher Misshandlung von Belegschaftsmitgliedern, Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen während der Nazizeit. Die Waage schwankte zwischen schuldig und nichtschuldig und am Ende konnte kein Schuldspruch gespro-chen werden.
Aufgrund der engen wirtschaftlichen Verbindungen mit den Junkers Flugzeug- und Motorenwerken Dessau (siehe Teil 4) wurde der Betrieb gemäss Befehl 124 der sow-jetischen Militäradministration vom 30. 10 1945 am 17. 4. 1948 sequestriert. Herrn Georg Fleischer wurde am 21. Juli 1948 ein Schreiben übergeben, welches am 19. Juli 1948 von der Vereinigung Volkseigener Betriebe–Holzbearbeitung-Halle mit nachfol-genden Wortlaut aufgesetzt war: „Wir teilen ihnen hierdurch mit, dass der Betrieb C Fleischer & Sohn, Eilenburg Ost, gemäss Beschluss der Landesregierung Sach-sen/Anhalt enteignet worden ist und auf Weisung der Deutschen Wirtschaftskommis-sion unserer Verwaltung übergeben wurde. Als Folgerung dieser Tatsache untersagen wir Ihnen mit sofortiger Wirkung das Betreten der zu unserem Betrieb gehörenden Anlagen und Räume.“
Nicht enteignet wurden die Betriebshallen in der Kranold-Röberstraße, wo mindes-tens 100 Mann beschäftigt werden konnten. Maschinen, Werkzeuge und Material waren hier ausreichend vorhanden. Die Villa Wurzener Landstraße, die Behelfsheime Wurzener Landstraße, Torgauer Landstraße, sowie das Grundstück Bunitz und am Bunitz. Das ließ darauf schließen , dass die Anschuldigungen aus der Nazizeit nicht den Tatsachen entsprachen.
Noch am gleichen Tag wird Otto Hermann als Betriebsleiter und Wilhelm Siebert als technischer Leiter in einer Betriebsversammlung vorgeschlagen und bestätigt.
Dieser 21.7. wurde auch der Gründungstag des VEB Qualitätsmöbelfabrik Eilenburg (VEB QMF).
Herr Fleischer selbst sah trotz der verbliebenen großen Vermögenswerte in der sow-jetischen Besatzungszone keine Zukunft mehr und siedelte kurz danach in die westli-chen Zonen um.
Ein Fakt spielte dabei wohl auch eine wesentliche Rolle, die Perspektivlosigkeit des privaten Unternehmertums in der sowjetischen Besatzungszone. Am 30. Juni 1946 fand in Sachsen ein Volksentscheid zur entschädigungslosen Enteignung der Kriegs- und Naziverbrecher und zur Überführung ihres Eigentums in Volkseigentum statt. An der Abstimmung nahmen 93,71 % der Sachsen teil. Gültige Stimmen waren 94,18 % und 5,82 % waren ungültig. Für die Enteignung stimmten 77,62 % und 16,56 % dage-gen. Dieser Volksentscheid war die Grundlage das bis 1948 die wesentlichen Betriebe in Eilenburg Staatseigentum wurden.
Der erarbeitete Gewinn in der QMF blieb 1948 auf die Betriebsgröße umgerechnet unter den Erwartungen. Ursache war hauptsächlich die handwerksmäßige Produktion.
Die Herren Siebert, Bräunig und Friedrich entwickelten am Zeichentisch ohne fremde Hilfe das erste Schlafzimmermodel mit der Bezeichnung „Rekord“.
Ohne Verschnörkelungen, doch formschön in verschiedenen Furnieren, wurden im Januar 1949 die ersten Schlafzimmer an den Handel geliefert. Damit begann die über Jahrzehnte laufende Serienproduktion von Schlafzimmern in der Qualitätsmöbelfabrik Eilenburg.
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Mit nur wenige Granateinschlägen und ohne nennenswerten Schaden hatte die Scho-koladen- und Zuckerwarenfabrik Henze AG den Beschuss auf Eilenburg, wohl auch durch die Nähe zum Krankenhaus, gut überstanden. Durch die Plünderungen am 18. April 45 (siehe auch Teil IV) waren die Grundstoffe für eine Produktionsaufnahme nach Kriegsende nicht mehr vorhanden. Dazu kam, dass der Firmengründer Herr Artur Henze am 5. Mai 1945 verstarb und sein Sohn Wolfgang Henze in einer Zeit des Chaos den Betrieb übernehmen musste. So stand der Betrieb nach Kriegsende ohne Rohstoffe aber mit intakten Produktionsmitteln. Da die Kriegsproduktion am Gesamtproduktionsvolumen nur einen geringen Prozentsatz betrug, fiel der Betrieb nicht unter die zu demontierenden Betriebe.
Aber ohne Rohstoffe keine Produktion und Süßwaren standen zu diesem Zeitpunkt wohl nicht im Vordergrund zur Versorgung der Bevölkerung.
Der sowjetische Stadtkommandant von Eilenburg Major Moch, der als deutschland-freundlich bekannt war, sorgte für die sogenannten Russenaufträge. Es waren Liefe-rungen für die sowjetischen Besatzungstruppen. So erhielt die Firma Henze Ende 1945 die ersten Rohstoffe wie Kristallzucker, Sirup usw. Diese Grundstoffe wurden über die sowjetische Militäradministration aus den Werken Halloren Halle, Böhme Delitzsch und Afro Drops Taucha abgezweigt. Anfang 1946 konnte mit dem alten Facharbeiterstamm die Produktion wieder aufgenommen werden. Durch die Repara-tionslieferungen an die Sowjetunion, und die Besatzungstruppen, sowie für die Bevöl-kerung der Ostzone konnte die Produktion stetig gesteigert werden. Rohstoffbedingte Stillstandszeiten gehörten ab 1948 der Vergangenheit an. So war die Belegschaftsstär-ke 1948 wieder auf rund 130 Personen angewachsen. Erwähnt werden muss aber auch, dass Süßwaren aller Art auf die monatliche Zuckerration angerechnet wurden. Im Februar 1948 siedelte Herr Wolfgang Henze nach Köln um. Die Beweggründe lagen wohl im Zusammenhang mit einer sich abzeichnenden Enteignung aller größe-ren Industriebetriebe. Ein Treuhänder leitete bis Februar 1951 den Betrieb. Der Be-trieb wurde 1949 der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) der Süßwarenindustrie als „Werk Eilenburg“ unterstellt, obwohl der Betrieb erst am 1. 3. 1951 in Volksei-gentum überging.
VEB Bonbonspezialfabrik, ehemals Henze KG , im Hintergrund das Eilenburger Kranken-haus.
Die Rezepturen waren in den ersten Nachkriegsjahren unter der bewährten Leitung der Herren Zeidler und Auerswald die gleichen geblieben wie in der Vorkriegszeit.
Produziert wurden die deutschlandweit bekannten Milchbonbons wie Henze Milch-ecken, Milchbienen, Milcherdbeeren, Milchkühe, Milchmokkabohnen, Milchschokola-denkrokant und verschiedene Toffees. Aber auch Eukalyptusbonbons, Kirschlikör-bonbons, Knickebeineierlikörbonbons, saure Dreifruchtbonbons sowie Dropse waren im Sortiment der Henze KG. Unter Leitung von Meister Auerswald wurden in der Fondant-Abteilung saisonbedingt Weihnachts- und Ostermotive hergestellt. Weih-nachtsbaumbehang in verschiedenen Variationen, stehende Weihnachtsmänner, Os-terhasen, Osternester, die Formenvielfalt war sehr groß und für uns Kinder war es ein Erlebnis, vom Weihnachtsbaum naschen zu können. An solchen Festtagen gab es Sonderzuteilungen auf die Lebensmittelkarten. Fondant selbst ist eine eingekochte, konzentrierte Zuckerlösung mit einem Anteil von 10 bis 40 % Stärkesirup. Die Erfah-rungen in Eilenburg resultierten noch aus den Kremfüllungen in Pralinen und Scho-koladen, die mit den höchsten Anteilen an Stärkesirup hergestellt wurden. Die Nach-kriegsfondantmasse mit einem Anteil von 10 % Stärkesirup wurde erhitzt und in Formen gefüllt. Für die Kinder der damaligen Zeit stellten diese kleinen bunt gestal-teten Leckereien etwas ganz Besonderes dar.
Alls ausgesprochener Frauenbetrieb wurde 1948 ein betriebseigener Kindergarten eingerichtet.
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Die Maschinenfabrik Dr. Bernhardi Sohn, Inhaber Albert Behnisch beginnt im Juni 45 mit der angestammten Produktion von Baumaschinen für die Beton- und Kalk-sandsteinindustrie. Als ausgesprochener Rüstungsbetrieb bis April 45 wird der Betrieb im Januar 1946 auf Befehl Nr.124 der sowjetischen Militäradministration unter einen Sequester gestellt. Betriebsleiter war Herr Kurt Klotzsch.
Am 1. Oktober 1947 wird der Betrieb in den Verband der Industriewerke Sachsen-Anhalt mit der Bezeichnung „Maschinenfabrik Eilenburg“ überführt. Zur Reparatur der vorhandenen Kriegsschäden erhält der Betrieb einen Wiederaufbaukredit von 200 000 DM.
Die Belegschaftsstärke war wieder auf durchschnittlich 115 Personen angewachsen und durch Reparationsleistungen an die Sowjetunion voll ausgelastet. Dazu gehörten Ersatzteile für die bereits im Band 3 erwähnten Lieferungen aus dem Rapallovertrag von 1922 an Sowjetrußland. Aber auch neue Kalksandstein-Drehtischpressen und weiter Maschinensysteme gingen als Reparationsleistungen an die Sowjetunion.
Am 16. September 1948 erhält Herr Alfred Behnisch vom Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt Hübner, ein Schreiben mit folgendem Inhalt: “Die Enteig-nung Ihrer aufgrund des Befehls Nr. 124 des Obersten Chefs der sowjetischen Mili-täradministration in Deutschland vom 30. 4. 1945 beschlagnahmten Vermögenswerte bestehend aus dem gesamten Betriebsvermögen der Firma, ist durch den Befehl Nr. 64 des Obersten Chefs der SMAD vom 17. 4. 1948 bestätigt und damit rechtskräftig geworden“.
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In den Dermatoid-Werke Paul Meißner zählte man nach dem Beschuss auf Eilenburg über 100 Granateinschläge. Abgebrannt war aber nur der Feuerwehrgeräteschuppen.
So wollte man, nachdem an einem kleinen Teil der Gebäude nur die aller notwen-digsten Reparaturen erfolgt waren, die eigentliche Friedensproduktion wieder auf-nehmen. Aber es kam anders, als Großlieferant von Schießbaumwolle war der Betrieb in die Liste der zur Demontage vorgesehenen Betriebe eingeordnet. So wurden hier die gesamten Maschinen für die Collodiumwolle, im Gegensatz zur ECW, abgebaut und in rund 120 Eisenbahnwaggons in die Sowjetunion transportiert. Die Verladung erfolgte zum größten Teil über das betriebseigene Anschlussgleis bzw. die Verladesta-tion an der Sprottaer Landstraße.
Von den 2 Dampfkesseln im Heizhaus wurden ein Dampfkessel mit modernster Beschickungsanlage sowie eine Dampfmaschine demontiert. Einige veralterte und unbrauchbare Maschinen verblieben im Betrieb. Die sowjetischen Soldaten, die zur Demontage abgestellt waren, hatten natürlich den in unterirdischen Behältern lagernden Alkohol ausfindig gemacht und fleißig zugesprochen.
Der Alkohol selbst wurde für die Herstellung von Ester einer Verbindung mit konzentrierter Salpetersäure oder Schwefelsäure (Nitriersäure) zur Herstellung von Collodiumwolle benötigt. Nicht bekannt war den Soldaten, dass Alkohol für technische Zwecke eine Steuerermäßigung erhält und mit Vergällungsmitteln wie Methanol oder Pyridin ungenießbar gemacht werden muss. Nach Aussagen von heute noch lebenden Zeugen traten unmittelbar danach Vergiftungserscheinungen mit Todesfolge auf. Es sollen wohl über 10 Soldaten gewesen sein die auf dem Ostfried-hof begraben wurden. Der Autor dieser Zeilen hat im ECW den Todesfall eines Kol-legen mit vergälten Alkohol selbst mit erlebt.
Vor den Trümmern seines Lebenswerkes stand Dr. Arthur Meißner nach Abschluss der Demontage am Ende des Jahres 1945. Aber Aufgeben war für Dr. Meißner wohl ein Fremdwort und so wurde 1946 mit der Produktion von einfachen Kunstleder und Dermatoidpapier für die im Band 4 bereits aufgeführten Wirtschaftszweig wieder begonnen. Alte Maschinen wurden aufgekauft und ein bewährter Stamm von über 20 Facharbeitern begannen mit dem Wiederaufbau. Der nicht demontierte Heizkessel konnte 45 wieder in Betrieb genommen werden und über die Dampfmaschine zum Generator wurde für die eigene Produktion Strom erzeugt. Ständige Stromabschaltun-gen in den Nachkriegsjahren ließen eine kontinuierliche Arbeit nicht zu und so waren die Betriebe mit eigener Stromversorgung im Vorteil. Für die Schuhindustrie wurde als Neuproduktion Kappenstoffe hergestellt. Im Jahr1950 lief die Produktion von Schleifpapier in verschiedenen Körnungen (Sandpapier) für die Möbelindustrie an. Als hochexplosiver Betrieb bis 1945 hatte der eigene Bahnbetrieb eine B-gekuppelte Dampfspeicherlokomotive im Werksgelände im Einsatz.. Der Gleisanschluss erfolgte an das Streckennetz Eilenburg-Wittenberg der Deutschen Reichsbahn. Aus einem zweiachsigen Bahndienstwagen wurde durch die Betriebsschlosser der Dieselmotor einer Grubenlokomotive eingebaut und liebevoll als fahrende Gartenlaube bezeichnet. Es war wohl der Verdienst der Betriebsschlossern die ehemals in den Eilenburger Motorenwerken Max Alverdes gelernt hatten.
Wurde der größte Teil der Eilenburger Betriebe bis 1948 enteignet, so konnte Dr. Meißner seinen Betrieb in dieser Zeitspanne behalten, wurde aber in das Planungs-system der sowjetischen Zone mit integriert.
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Die Maschinenfabrik und Eisengießerei von Carl Lucke (Pressen Lucke) war ja wie im Teil 4 umfangreich beschrieben, Anfang der 30er Jahre in den neuen Betrieb am Schießstandweg gezogen. Die Nachkriegsproduktion basierte auf den bewährten Ma-schinen für die Beton- und Kalksandsteinindustrie.
Mit höchstens bis zu 10 Arbeitskräften war der Betrieb überschaubar und ökonomisch stabil. Der bereits 1948 enteignete Betrieb schließt 1951 seine Produktionstore. Der Volksentscheid vom 30. Juni 1946 in Sachsen bezog sich auf die entschädigungslose Enteignung der Kriegs- und Naziverbrecher, aber nicht auf Unternehmen wie Carl Lucke der zu diesem Personenkreis wie Nestler und Fleischer als „Nationalsozialisti-sche Musterbetriebe“ nicht gehörte und auch nicht auf komplette Kriegsproduktion umgestellt war.
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Ein ähnliches Schicksal erfuhr die Eilenburger Eisengießerei und Maschinenfabrik Alexander Monski in der Kranoldstraße/Walter-Rathenau-Straße. Am 4. September 1950 wurde der Betrieb enteignet. Herr Alexander Monski siedelte mit Familie in die BRD um. Die Firma Monski hat über Jahrzehnte Spitzenprodukte der Pumpen- und Gebläsetechnik aber auch den Rieder-Monski Heißluftmotor in alle Welt geliefert und damit ein Stück Industriegeschichte in Eilenburg mit geschrieben.
Die im Innenhof stehenden Gebäude wie kleine Dreherei, Modellbau, Schlosserei wurden in den Apriltagen 1945 vollständig zerstört. Aber auch alle anderen Produkti-onsgebäude hatten durch Granateinschläge Schaden erlitten. Da die Gießerei an der heutigen Walter-Rathenau-Straße nicht zerstört war, konnten Pumpen und Gebläse aus Grauguss wieder produziert werden und dadurch war die unmittelbare Produkti-onsaufnahme nach Kriegsende gegeben.
Hauptproduktionsrichtung waren Kreiskolbenpumpen für die Wasserversorgung, aber auch für Öle, Benzin und weitere Flüssigkeiten. In Kooperation mit der gleichfalls in der Kranoldstraße befindlichen Maschinenfabrik Nestler mussten Erdölpumpen als Reparationsleistungen für die Sowjetunion gebaut werden.
Nach Aussagen von Herrn Horst Herber, der im technischen Büro gelernt hatte, war Monski der erste Betrieb in Eilenburg der für seine Belegschaft, in dieser Notzeit, eine Werksküche eingerichtet hatte und damit auch auf sozialen Gebiet Vorreiter war.
Herrn Horst Herber möchte an dieser Stelle lobend für seine aussagekräftige und bis ins detail niedergeschriebene Entwicklung des VEB EBAWE Eilenburg auch im Ei-lenburger Lesebuch „Der Sorbenturm“ ein Dankeschön gesagt werden. Die Ge-schichte des VEB EBAWE Eilenburger Baustoffmaschinenwerkes beginnt im Jahr 1951 und wird im Teil VI beschrieben.
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Die Maschinenfabrik Nestler in der Kranoldstraße/Schreckerstraße hatte in den Kriegstagen um Eilenburg gleichfalls Verluste an Gebäudesubstanz zu beklagen. So war die Halle zwischen beiden Straßen zerstört. (heute Großgarage von Bus Geißler) Auch Objekte an den Straßenseiten hatten Schaden erlitten. In diesem schwer in Mit-leidenschaft gezogenen Betrieb treffen sich nach Kriegsende 12 Menschen wieder, um einen Neuanfang zu wagen.
Die sowjetische Militäradministration achtete bei der von ihr eingesetzten deutschen Behörde streng darauf, dass alle Betriebe soweit als möglich wieder ins laufen kamen. So wurde als erste Maßnahme ein Zwangsverwalter eingesetzt. Alle Bemühungen von Herrn Helmut Nestler seinen Betrieb wieder verwalten zu können wurden abgelehnt. Wurden in der Nazizeit nur Flugzeugteile hergestellt, so waren es beim Vorgänger Lucke Baumaschinen. Die erste Auflage nach dem Krieg hieß landwirtschaftliche Maschinen zu bauen. Neuland ohne technischen Voraussetzungen, ohne Erfahrungen auf diesem Gebiet. So waren die ersten Strohpressen (Zeichnungen waren für dieses Gerät vorhanden) wohl ein großes Verlustgeschäft. Dazu kamen die ständigen Strom-abschaltungen und fehlende Werkzeugmaschinen. Der Reparationsauftrag zum Bau von Erdölpumpen, gemeinsam mit der in Nachbarschaft befindlichen Firma Monski hatte dann schon einen kompetenten Partner auf dem Pumpensektor. Die Belegschaft war bis 1948 auf über 50 Beschäftigte angewachsen und mit dem Bau von Straßenwal-zen in die Kategorie Baumaschinen wieder eingeordnet. Werkleiter war Herr Walter Prautzsch. Aber auch Ersatzteile für den Bergbau und die Landwirtschaft mussten auf Weisung der Wirtschaftkommission produziert werden.
Die Wirtschaftskommission war der Vorgänger der später eingesetzten staatliche Plankommission
Der noch unter dem Namen Nestler Maschinenfabrik Eilenburg laufende Betrieb wird am 1. Juli 1948 in Volkseigentum überführt und der Vereinigung Volkseigener Betriebe der Metall- und Elektroindustrie Sachsen-Anhalt unterstellt. Die neue Be-triebsbezeichnung lautete LBH VVB MELSA Maschinenfabrik Eilenburg.
Mit der Sprengung der Eisenbahnbrücke über den Mühlgraben und wenige Tage spä-ter im April 1945 über die Mulde war der Bahnverkehr nicht nur nach Eilenburg, sondern auch der Durchgangsverkehr in Richtung Cottbus unterbrochen. Schwer-punkt war der Wiederaufbau der Brücken. Die Muldenbrücke war 1946 wieder voll befahrbar. Man hatte die drei Brückengleise um jeweils zwei Felder gekürzt und hatte damit das Material für die zerstörten Felder gewonnen. Die abgebauten Brückenfelder wurden aufgeschüttet und dadurch ist auch der Knick in der Friedrich-Ebert-Straße entstanden. Ursprünglich verlief diese Straße geradlinig in den Bürgergarten. Durch diesen Umstand wurde die Durchlassbreite der Mulde bei Hochwasser eingeschränkt. Die Mühlgrabenbrücke war als Behelfsbrücke (Pionierbrücke) bis zum Brückenneu-bau in den 70er Jahren nur mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung zu befahren. Der erste Zug nach Kriegsende fuhr am 29. Mai 1945 vom notdürftig eingerichteten Hal-tepunkt Wedelwitz nach Halle und am 8. Juni nach Leipzig. Es muss wohl ein trostlo-ser Anblick an den Strecken und Bahnhöfen gewesen sein. Das Wort Wiederaufbau erschien wohl den meisten Menschen als Utopie.
Als man dann noch sah, dass die zweigleisigen Hauptstrecken nach Halle, Leipzig und Falkenberg auf ein Gleis reduziert wurden und die abgebauten Schienen als Reparati-onsleistungen in die Sowjetunion verladen wurden war ein weiterer Tiefpunkt bei den Eisenbahnern erreicht. Wie sollte der eingleisige Verkehr auf den Hauptmagistralen ablaufen.
Auf der Strecke nach Leipzig waren die Bahnhöfe Jesewitz, Taucha und Thekla die Überhohlbahnhöfe. Die Fahrzeiten mit einem Personenzug nach Leipzig betrugen dann aber auch knapp 45 Minuten. Das bei der gewaltigen Explosion am 29. März 1945 total zerstörte mechanische Stellwerk Em (Eilenburg Mitte) wurde nicht wieder aufgebaut. Eine Neuordnung der Dienststellen erfolgte in den ersten Jahren nach Kriegsende noch nicht. Obwohl das Deutsche Reich mit dem Ende des Krieges nicht mehr existierte, blieb der Name Deutsche Reichsbahn im Osten Deutschlands erhal-ten.
Auf eine Besonderheit der Deutschen Reichsbahn in Eilenburg wurde schon im Teil 4 hingewiesen, den Fahrbetrieb mit dem Straßenroller in der Fachsprache als Culemey-erbetrieb bezeichnet. In Kriegszeiten waren bis zu 2 Zugfahrzeuge in Betrieb. Die Zuführung der Waggons erfolgte nicht nur von der Ladestraße Bahnhof Eilenburg, auch von der Ladestraße des Bahnhofes Eilenburg Ost und vom Anschlussgleis We-delwitz rollten die Culemeyer zu den Kunden. Diese Erweiterung auf drei Ladestraßen war auch notwendig, weil die Tragfähigkeit der Eilenburger Brücken Grenzen setzte.
Im Gesamtnetz der DR war auch nach dem Krieg Eilenburg als Umstellbahnhof und damit als Knotenbahnhof konzipiert. Hauptsächlich wurden Nahgüterzüge aufgelöst und neu gebildet.
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Bereits kurz nach Kriegsende nimmt der Kleinfabrikant Emil Lutz in seiner Produkti-onsstätte Am Lehmberg die Textilproduktion wieder auf. Kriegsschäden waren nicht zu beklagen und Materialreserven noch vorhanden. Waren es am Anfang noch Kra-watten, so wurde dem Handel Rechnung getragen und Kinder-Hemden aber auch bunte Herren-Hemden genäht. Die erforderlichen Stoffe standen dem Betrieb immer zur Verfügung. Arbeitsunterbrechungen durch Stromsperren und ein zu schwaches Energienetz für die Industrienähmaschinen bereiteten dem Betrieb große Sorgen. Herr Lutz siedelt 1949 in die am 7. September 1949 gegründete Bundesrepublik Deutschland über. Die Firma wird als Treuhandbetrieb weiter geführt und 1950/51 zum VEB (K) Wäschefabrik Eilenburg firmiert. Als übergeordnetes Organ fungiert die örtliche Industrie. Die Belegschaftsstärke war auf 20 Personen angewachsen mit einem Umsatz von cirka 80 000 Mark.
Einen Monat nach Gründung der BRD wird aus der sowjetischen Besatzungszone am
7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik. (DDR)
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Auch in der Landwirtschaft gab es gravierende Veräderungen. So wurde am 3. Sep-tember 1945 die demokratische Bodenreform beschlossen. Festlegungen daraus be-sagten die entschädigungslose Enteignung des Grundbesitzes über 100 ha, sowie des Grundbesitzes der aktiven Faschisten und Kriegsverbrecher. Der enteignete Boden wurde kleinen Bauernwirtschaften unter 5 ha , Neubauern, Umsiedlern und Flüchtlin-gen zugesprochen. Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen an Komitees der gegenseitigen Bauernhilfe zur Einrichtung von Ausleihstationen übergeben.
Bereits am 13. September 45 fand mit den oben angeführten Personenkreis eine erste Versammlung in der Gaststätte Rautenkranz statt. Herr Friedrich Dilsner wurde zum Vorsitzenden der Gemeindebodenkommission gewählt. Die Verordnung über die Bodenreform wurde vom Bürgermeister Herrn Müller u Herrn Mille von der KPD erläutert.
Aufzuteilen waren die Rittergüter Berg (Schwedler) in der Weinbergstraße mit 348 ha und das Gut der IG Farben AG in der DCF. Die Besitzurkunden des aufgeteilten Gutes Schwedler wurden am 1. November 45 im Ratenkranz landarmen Bauern und Landarbeitern der Stadt Eilenburg übergeben.
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(Auszug aus Wolfgang Beuche: "Die Industriegeschichte von Eilenburg, Teil II, 1950-1989")